I. Künstliche Intelligenz, Legal Tech usw.: der Tod der Einzelkanzlei ?

Künstliche Intelligenz beginnt derzeit und mit Blick in die Zukunft verstärkt, die menschliche Kompetenz in vielen Bereichen zu ersetzen. Dies gilt für Bankgeschäfte und die eigene Geldanlage (fin-techs/ Depotstrategien) wie für den juristischen Bereich (legal advisors aller Arten und Güten).


Im juristischen Bereich ist beispielhaft zu nennen Ross, der "Super Intelligent Attorney" von IBM, der angetreten ist, Fragen zu beantworten und den Rechtsanwendern die juristische Arbeit abzunehmen. Ross lernt durch seine eigenen Erfahrungen. Aus dieser Entwicklung wird gefolgert, dass die Chancen für Einzelanwälte schwinden, wenn sie ihr Geschäftsmodell nicht ändern. Alternative Rechtsdienstleister nutzen "legal techs", um die anwaltliche Arbeit zu unterstützen und im einfachen und gut zu strukturierenden Massengeschäft auch zu ersetzen.


Der Anwalt ist auch Unternehmer; die Kanzlei - gleich welcher Größe - ist ein Unternehmen, das auch im oben beschriebenen digitalen Wandel weiter bestehen muss. Ohne Frage: laufende (!) Anpassung an diese Veränderungen tut not (vergl. insoweit auch die Homepage- Seite "Mitarbeit"). Erfolgt diese notwendige Anpassung einer Einzelanwaltskanzlei, dann dürfte ihr der Erfolg weiter sicher sein. Die sich aufdrängenden Fragen hinsichtlich der "life-work-balance" muss dann jeder mit sich selbst klären.


II. Einzelanwalt / Fachanwalt / Spezialist / Generalist ?

Rechtssuchende Mandanten werden mit Bezeichnungen/ Titeln und - vermehrt - Werbeaussagen überschüttet; wer blickt noch durch?


Meine These: Der "Allgemeinanwalt"  (bisher meistens in Form des Einzelanwalts, also des Anwalts in eigener Kanzlei) hat nicht nur Zukunft, sondern wird auch zukünftig immer wichtiger als Lotse durch das Rechtssystem - wenn er sich mit den oben skizierten Veränderungen kongenial und kompetent befasst. 

Ein Kollege hat sich als Einzel- bzw. Allgemeinanwalt einmal verglichen mit einem Hausarzt, also als kompetente erste Anlaufstelle "in Fällen der Not". Der "Allgemeinanwalt" ist ähnlich dem Hausarzt als Generalist in der Lage, die uferlosen juristischen Probleme seiner Mandanten zuerst in den Grundzügen zu überblicken und letztlich dann im Sinne des Mandanten zu einer verständlichen, lebensnahen und noch bezahlbaren Beratung und Falllösung zu bündeln. Der Allgemeinanwalt hat und behält den Überblick.

Ähnlich wie der Hausarzt den Patienten gegebenenfalls zum Facharzt überweist, kann der Allgemeinanwalt Spezia- listen falls nötig hinzuziehen, dann nämlich und nur dann, wenn die Rechtslage hoch komplex und daher ein Spe-   zialist mit besonders "tiefem" Fachwissen gefragt ist. Diese Vorgehensweise ist letztlich für den Mandanten sicherer wie kostensparender.

Allerdings dürften die Tage des Einzelanwalts (nicht des bzw. der "Allgemeinanwälte") im Zuge steigender Arbeits- wie Kostenbelastung und zunehmender persönlicher Wichtigkeit einer angemessenen "Life- Work- Balance" aus meiner Sicht gezählt sein (auch daher die Seite "Mitarbeit"). Arbeit- wie Wissensteilung dürfte angesagt sein!